Rauchen? Bitte nicht im Homeoffice…

Ich gebe zu, Homeoffice ist ne tolle Sache. Sowohl für den Arbeitnehmer, der sich Fahrt-Zeit und -Kosten sparen kann, als auch für den Arbeitgeber, der im Idealfall Bürofläche spart und sich natürlich einen flexibleren Einsatz eines Homeoffice-Mitarbeiters erhofft. Was allerdings gern vergessen wird ist, dass Mitarbeiter selten den nötigen Respekt dem gestellten Material gegenüber erbringen…

Ich habe heute zwecks Überprüfung mal wieder so einen Rechner erhalten, der als wunderbares Negativ-Beispiel gelten kann. Zugegeben, Staub lässt sich in einem Rechner schwerlich verhindern, und die Kolleg*innen haben bei uns strikte Anweisung, die Geräte nicht eigenmächtig zu öffnen. Ja, ich höre die Einwürfe „aber es gibt doch so Staubschutzgitter“ – schade nur, dass diese trotzdem im Rechner verbaut werden1, was dank der „do not open“-Policy nix bringt, außerdem haben die blöderweise das Problem, dass sie sich noch schneller zusetzen als die üblichen Lufteinlässe am PC. Kunststück, das Aufhalten von Staub ist ja auch ihre ureigene Aufgabe.

Dummerweise wird aber bei einem derart zugesetzten Lufteinlass selbiger in seiner Funktion des Lufteinlassens beeinträchtigt, so dass es langsam aber sicher im PC immer wärmer wird. Freundlicherweise hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren bei den PC-Herstellern so langsam rumgesprochen, dass fast alle Anwender keine Ahnung davon haben, wie wichtig adäquate Kühlung bei Elektronik ist, so dass Schutzmaßnahmen geschaffen wurden, die einem frühzeitigen Hitzetod entgegenwirken sollen, nämlich Leistungsdrosselung und – in letzter Konsequenz – Notabschaltung.

Das „Schöne“ an solchen Hardware-Notabschaltungen ist, dass das Betriebssystem darüber in der Regel nicht informiert wird, nicht einmal jedes BIOS hat die dafür notwendigen „System Event Log (SEL)„-Funktionen implementiert2. Das freut den Admin3, denn jetzt beginnt das große Ratespiel. Warum schaltet eine Maschine sporadisch, nicht reproduzierbar und in scheinbar zufälligen Situationen ab? In dem Zusammenhang steigt in der Regel auch der Frust des Anwenders, denn was außer „nicht diagnostizierbar, müssen wir beobachten“ soll man als Antwort geben, wenn der Windows-Eventlog nur einen Hinweis auf eine Abschaltung, aber keinen Grund liefert? Gedanklich bereitet man sich schon mal auf nen Hardware-Defekt vor, sucht ein Pool-Gerät als Ersatz raus, kalkuliert und plant die Betankung des Austausch-Geräts, überlegt sich, wie Pool- und Anwender-Hardware jeweils die Standorte tauschen, und so weiter und so fort.

Irgendwann hat man den Punkt erreicht, wo man den Anwender instruiert, das Gerät vorbeizubringen, und spätestens dann braucht man meist einen äußerst stabilen Magen. Wie gesagt, Staub und die daraus resultierenden Wollmäuse lassen sich schwer verhindern, aber was meinen Augen und meiner Nase heute präsentiert wurde, war wieder mal wahrhaft widerlich. Der PC stand in einem Raucherhaushalt, wie man an der rotbräunlichen Verfärbung des Staubs und dem teils glänzenden braunen Belag auf den Lüfterschutzgittern sehen konnte. Hauptbestandteil des Belags ist, wie jeder wissen dürfte, ein Sammelsurium langkettiger Kohlenwasserstoff-Verbindungen, gemeinhin auch unter dem Begriff Teer bekannt. Während man also den größten Teil des Staubs ungeachtet seiner Farbe noch relativ einfach mit einem Hochdruckgebläse entfernen kann4, ist der „leckere“ braune Belag ne ganz andere Hausnummer. Klar, die offensichtlichen Stellen kann man mit Isopropanol-getränkten Q-Tips reinigen5, aber leider hat Zigarettenrauch aus unerfindlichen Gründen bisher nicht gelernt, sich nur an den offensichtlichen Stellen abzusetzen. Im Grunde kann man davon ausgehen, dass der gesamte Rechner innen wie außen mit einer feinen6 Teerschicht bedeckt ist. Da Teer klebt, begünstigt er die erneute Anlagerung von Staub, welcher wiederum das Ablagern von Teer begünstigt, und irgendwann hat man so ne richtig fette Schicht graubraunen Schmodder in jeder noch so kleinen Ritze des PCs sitzen. Lecker!

Teer und Staub haben beide übrigens auch noch die unangenehme Eigenschaft, diverse meist unangenehme Gerüche einzuschließen, die mit der Zeit diffundieren. Die Stärke der Geruchsbelastung ist dabei in etwa proportional zur Betriebstemperatur des Rechners. Lange Rede, kurzer Sinn: den Rechner kannste niemandem mehr mitgeben, außer dem Vogel, der ihn Dir überhaupt erst in diesem Zustand zurückgebracht hat. Material von die Firma verlassenden Mitarbeitern, das diesen Zustand erreicht, wird in der Regel direkt entsorgt – das freut die Umwelt und den Buchhalter. Denn bei nem anständigen Office-PC samt Wartungsvertrag sind das auch vier Jahre nach Anschaffung gerne mal noch um die 300€, die man da in die Tonne kloppt, zusätzlich zu der in der Regel nötigen Neuanschaffung des Ersatzgeräts und dem ganzen Arbeitsaufwand drumherum. Kann man zwar steuerlich fast alles abschreiben, ist aber trotzdem Scheiße!

Daher mein Appell an alle, die Arbeits-Materialien fürs Homeoffice gestellt bekommen:

  1. Bitte nicht in dem Raum rauchen, in dem das Material betrieben wird. Und zu angrenzenden Räumen, in denen geraucht wird, bitte dauerhaft die Tür geschlossen halten.
  2. Ein PC, den man nicht regelmäßig einigermaßen ordentlich reinigt, sollte nicht am Boden stehen. Schon gar nicht, wenn man Haustiere hat. Bereits ein Standort 30cm über dem Boden verringert die Menge an eintretendem Staub und Tierhaaren um mehr als die Hälfte.
  3. Haltet gelegentlich mal das Staubsaugerrohr an den (ausgeschalteten) Rechner. Das reinigt nicht so gut und zielgerichtet wie ein Hochdruck-Gebläse, aber es ist besser als nix.
  4. Behandelt das Euch ausgegebene Material mit Respekt. Nur weil es nicht Euer Eigentum ist, heißt das nicht, dass Schrammen, Dellen oder gar Löcher(!) im Gehäuse akzeptabel sind.
  5. Wenn Material zurückgegeben wird, tut bitte wenigstens so als würdet Ihr wissen, wie man ein feuchtes Tuch benutzt. Wir ITler erwarten keine spiegelblanken Gehäuse, Abnutzungserscheinungen sind normal, aber offensichtliche Verschmutzungen wie Kaffeeflecken und Aschereste zu ignorieren ist einfach nur dreist!

    Pro Tipp: Brotkrümel und andere Essensreste in der Tastatur lassen sich fast vollständig aus einer Tastatur entfernen, wenn man sie einfach mal kopfüber stellt und schüttelt.

In anderen Branchen (oder wenn die IT in eine andere Firma ausgelagert ist), sind nicht unerhebliche Reinigungspauschalen bis hin zum vollständigen Wertersatz des ruinierten Gegenstands üblich. Ob fakturiert oder nicht, der Firma entstehen dadurch Kosten. Geld, das dann an anderer Stelle – wie z.B. bei Eurer nächsten Gehaltserhöhung – dann fehlt.

Denkt mal drüber nach. Ich bin für heute fertig.

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Fußnoten / foot notes

  1. von entsprechend teuren High-End-Gamer-Gehäusen, bei denen die Gitter über eine Tür zugänglich sind, mal abgesehen
  2. da es sich dabei um einen Teil der IPMI-Spezifikation handelt, welche primär auf Server ausgerichtet ist
  3. wenn er denn mal darüber informiert wird, aber das ist ein anderes Thema…
  4. Notiz an mich: neue Staubschutzmasken bestellen!
  5. ein Job, den ich nicht mal nem Praktikanten als Strafe aufdrücken würde
  6. im Sinne von dünn, nicht im Sinne von angenehm!

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